Evangelische Kirche in Offenbach

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500 Jahre Reformation:

Mehr Calvin als Luther: Wie die Reformation nach Offenbach kam

Dekanat OffenbachDie zwei Reformatoren Luther und Calvin vor der Französisch-Reformierten Kirche Offenbach. Sonst gehören die Büsten des Wittenberger Professors und des Genfer Stadtpfarrers ins Bücherregal des Pfarrhauses.

Martin Luther war wohl nie in Offenbach. Offenbach hatte zu Zeiten der Reformation um die 100 Häuser mit 400 bis 500 Einwohnern. Es lag verkehrsgünstig an der Geleitsstraße von Seligenstadt nach Frankfurt.

Dekanat OffenbachDer ehemalige Offenbacher Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel.

Historisch verbürgt ist, dass der Wittenberger Reformator auf der Durchreise die Nachbarstadt Frankfurt am Main besuchte. Ob der ein oder andere Bürger wohl eine lutherische Flugschrift mit nach Offenbach brachte? Wir wissen nur, dass die Reformation Luthers per fürstlicher Order 1542 hier Einzug hielt. Schon 50 Jahre später wurde sie jedoch durch die zweite – calvinistische – Reformation abgelöst und die Lutheraner aus Offenbach vertrieben. Zwischen 1596 und 1734 war Offenbach calvinistisch. Wie die Geschichte der Lutheraner und Reformierten schließlich 1848 zu einer vereinten evangelischen Kirchengemeinde führte, erklärt der ehemalige Offenbacher Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel in einem Interview.

Wann wurde Offenbach evangelisch?

Früher bestimmten die Landesherren über den Glauben ihrer Untertanen. Graf Reinhard von Isenburg führte im Jahr 1542 die Reformation in Offenbach kurzerhand ein. „Das Papsttum wurde abgeschafft“, heißt es in den historischen Quellen. Wahrscheinlich war Pfarrer Johannes Müller der erste lutherische Pfarrer in Offenbach. Doch schon 50 Jahre später begann für Offenbach erneut ein konfessioneller Wandel. Als Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg die Regierung übernahm, führte er in Offenbach den reformierten Glauben ein. Die reformierte Tradition geht vor allem auf das Wirken von Ulrich Zwingli in Zürich und Johann Calvin in Genf zurück. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der zweiten Reformation.

Welche Auswirkungen hatte die zweite Reformation?

Die lutherischen Geistlichen wurden aus ihren Ämtern entlassen. Der damalige Offenbacher Pfarrer Johannes Lauterbach erhielt im August 1596 seinen Abschied und die Anweisung den Pfarrhof zu räumen. Zu seinem Nachfolger wurde Anton Praetorius bestimmt. Begeistert waren die Offenbacher über diesen neuerlichen Wandel zunächst nicht. So musste der neue Pfarrer anfangs vor halbleeren Bänken predigen. Neue Impulse erhielt die zweite Reformation, als Graf Johann Philipp reformierte Glaubensflüchtlinge aus Frankreich aufnahm. Den sogenannten Hugenotten wurde erlaubt, Manufakturen zu gründen, vor allem im textilen Bereich. Der damals noch kleinen Resi­­denzstadt Offenbach bescherte das einen ungeahnten Aufschwung. Bald hatten die französisch-reformierten auch einen eigenen Pfarrer: Isaac de Bermond aus Bern. 1718 wurde die französisch-reformierte Kirche gebaut.

Wie entwickelten sich die unterschiedlichen protestantischen Bekenntnisse weiter?

Mitte des 18. Jahrhunderts lebten in Offenbach mit der deutsch-reformierten, der französisch-reformierten und der lutherischen Gemeinde drei selbstständige protestantische Kirchengemeinden nebeneinander. Die deutsch-reformierte war dabei die größte und wohlhabendste Gemeinde. 1703 wurde die deutsch-reformierte Schlosskirche mit 1000 Sitzplätzen eingeweiht.

Graf Wolfgang Ernst III gestattete 1734 den Lutheranern, sich wieder in Offenbach niederzulassen. Doch die lutherische Gemeinde war arm und wenig angesehen. Ihnen wurde zwar erlaubt, eine Kirche zu bauen, aber aufgrund finanzieller Probleme dauerte es zehn Jahre, bis die heutige Stadtkirche 1748 fertiggestellt war. Während die reformierten Pfarrer gut dotierte Stellen hatten, bekam der lutherische Pfarrer nur ein bescheidenes Gehalt. 1848 erfolgte der Zusammenschluss der deutsch-reformierten und lutherischen Kirchengemeinden zur „vereinten-evangelisch-protestantischen Kirchengemeinde.“ Nur die französisch-reformierte Gemeinde blieb davon ausgenommen. Besonders im Psalmengesang, in den Abendmahlsbräuchen, in der Ausgestaltung der Kirche, aber auch in der Verwaltung der Gemeinde durch ein Presbyterium sind bis heute viele hugenottische Traditionen erhalten geblieben.

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