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Fachberatung Inklusion

„Vielfalt ist ein Schatz, der entdeckt werden muss“

Interview mit Christiane Esser-Kapp, Pfarrerin für Behindertenseelsorge im Evangelischen Dekanat Offenbach und Fachberatung Inklusion in der Propstei Rhein-Main

Offenbach – Inklusion ist kein neues Programm für behinderte Menschen, sagt Pfarrerin Christiane Esser-Kapp.  Inklusion betrifft vielmehr jeden Einzelnen, denn es geht ums Dazugehören.

Warum ist Inklusion ist in einer Stadt wie Offenbach so wichtig?

Für mich ist Inklusion nicht einfach ein weiteres Thema, das sich auf die ohnehin schon volle Agenda dieser Stadt drängt. Es geht um das „Stadt-Gesellschaft-Sein.“ Dass alle dazu gehören, die in einem Stadtteil, einem Quartier wohnen.  Vielfalt ist ein Schatz, der entdeckt werden muss.

Offenbach ist die Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil in Deutschland.  Oft erlebt man wenig Miteinander, sondern ein Nebeneinander der Kulturen.

Inklusion fordert letztlich von einem jedem die Wertschätzung von Vielfalt. Denn nur diese ermöglicht, dass Menschen gut zusammen leben. So einfach das klingt, so schwierig ist die Umsetzung. Denn um Inklusion Wirklichkeit werden zu lassen, muss man dazu bereit  sein, alle Menschen anzunehmen und einzubeziehen. Es geht darum, eine Willkommenskultur zu pflegen. Doch Vielfalt macht auch Angst. Manche Menschen befürchten, dass ihre eigene Kultur und Tradition dadurch verschwindet.   Ich bin davon überzeugt, dass das Leben in einer inkludierten Gesellschaft reicher und bunter wird.  Extremismus hat dann keinen Platz mehr.  

Wie wirkt sich Inklusion praktisch aus?

Dazu fällt mir ein schönes Beispiel ein.  Ein „Combozert“:  Musiker mit geistiger Beeinträchtigung machen Musik, vom eingängigen Pop bis zu harten Beats.  Der Saal ist gerappelt voll mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigung und die Band ist eine Wucht. Einer steht mit auf der Bühne, der macht gar nichts – der steht nur da. Was macht der da, wenn der nichts macht? Dann braucht er auch nicht da zu sein – oder? „Doch“, sagt Jürgen Weiß, der Musikpädagoge, der die Gruppe begleitet, „ der gehört dazu!“ So ist das mit der Inklusion! Nie zuvor habe ich eine solch einfache und bestechende Erklärung für Inklusion gehört. Und ich kam mir ziemlich dämlich vor mit meiner Frage.

Wie kann die Aufteilung in Behinderte und Nicht-Behinderte überwunden werden?

Solange „Behinderte“  in besonderen Einrichtungen und Schulen sind, bleiben wir einander fremd. „Behindert“ ist ein negativer Begriff und stigmatisiert! Wenn man Menschen erst gar nicht kategorisiert, wenn man Lebens-und Lernräume so gestaltet, dass sie von allen und miteinander belebt und erlebt werden können, dann zeigt sich das Leben in seiner Vielfalt und in seiner Achtsamkeit. Denn behindert ist man nicht, man wird dazu gemacht und sei es von einem zu hohen Bordstein.

Viele halten Inklusion für ein neues Modewort, das nichts mit ihrem Leben zu tun hat.

Was Inklusion meint und was sie überwinden will, das betrifft jeden Menschen. Jeder Mensch steht mehr oder weniger in der Gefahr, ausgegrenzt zu werden, nicht teilnehmen zu können und nicht dazuzugehören. Etwa durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Oder aber spätestens im Alter.

Wie kann Inklusion in der Kirche gelebt werden?  

Das ist die Frage an uns alle: Was müssen wir tun, damit jede und jeder sich willkommen fühlen kann und alle mitmachen können? Denn aus meiner Sicht geht es um die Vergrößerung von Möglichkeiten, die Kirche durch die volle und gleichberechtigte Teilhabe aller hat. Und es geht um das Erleben: Ich bin als Person geachtet und werde beachtet. Tatsächlich liegt im Gedanken der Inklusion etwas Visionäres. Es geht um einen Prozess, in dem sich Menschen auf den Weg machen, Barrieren abbauen, Teilhabe ermöglichen und die Gemeinschaft Gottes mit den Menschen und feiern. Inklusion ist kein Zustand, sondern eine bleibende Aufgabe.

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Kontakt

Christiane Esser-Kapp

- Fachberatung Inklusion -

Telefon: (069) 98 55 06 96

Mobil: 0176-405 773 50

E-Mail: inklusion.rhein-main@ekhn-net.de

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